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Freiwillige gefordert wie nie zuvor!
Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Vlotho

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Vlotho.  Es gibt Rekorde, auf die man getrost verzichten könnte und die doch niemand verhindern kann. Während der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Vlotho, die am letzten Freitag (5.02.2015) im „Haus der Feuerwehr“ Am Bullerbach stattfand, sprach Wehrführer Torsten Sievering über die Einsatzzahlen des letzten Jahres, die mit 270 Alarmierungen auf ein neues Rekordniveau gestiegen sind.  „Wir haben damit das Niveau einer Hauptamtlichen Wache erreicht!“, sagte der Feuerwehrchef. Er sieht deutliche Anzeichen dafür, dass die Belastungsgrenze seiner Leute mittlerweile überschritten ist.  Landrat Jürgen Müller und Vlothos Bürgermeister Rocco Wilken, die an der Jahresarbeitstagung als Ehrengäste teilnahmen, werden an dieser Situation wohl so schnell nichts ändern können. 

Wilken ist erst seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt. Er muss sich das Vertrauen der 144 aktiven Feuerwehrleute der Weserstadt noch erarbeiten. Während seiner Antrittsrede machte der neue Verwaltungschef bereits  deutlich, dass er der Feuerwehr die gleiche Bedeutung beimisst, wie es Vorgänger Bernd Stute über viele Jahre hinweg getan hatte. „Ich stehe für eine gute, aufrichtige und offene Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das hat hier Tradition und das bleibt auch so!“  Im Herbst werde es mit dem Neubau des Gerätehauses Uffeln losgehen, erläuterte der Bürgermeister. Bis dahin müsse allerdings noch eine Übergangslösung für die Unterbringung der Löschgruppe während der Bauphase gefunden werden.  Wilken machte den Aktiven außerdem Hoffnung, dass die für sie angedachte neue Schutzkleidung tatsächlich beschafft wird. Die Mittel dafür seien im Haushalt eingestellt, der Rat müsse allerdings noch zustimmen.  Im Übrigen zeigte er sich mit dem Ergebnis des „Jugendbriefes“ zufrieden. Dadurch hätten 13 Jugendliche neu in die Jugendfeuerwehr aufgenommen werden können.  „Das sind 13 Menschen, aus denen etwas wird!“ Im Rahmen der  Werbemaßnahme waren im Oktober 2015 alle 10 bis 12-jährigen und 17 bis 19-jährigen Einwohner angeschrieben und zur Teilnahme an den „Schnupperdiensten“ der Feuerwehr aufgefordert worden.

„Spezialisten“ sollten Ehrenamt entlasten

Zu insgesamt 270 Einsätzen rückten der Löschzug Vlotho sowie die Löschgruppen Bonneberg, Exter, Steinbründorf und Uffeln im letzten Jahr aus (2014: 252). Im Einzelnen löschten die Einsatzkräfte 34 Brände und leisteten in 194 Fällen technische Hilfe. 42 Fehlalarme sind in der Statistik ebenfalls zu finden.  Allein 33 Mal waren fehlerhaft ausgelöste Brandmeldeanlagen (BMA) daran schuld.  Für Torsten Sievering ist angesichts solcher Zahlen klar, dass andere Strukturen im Feuerwehrwesen geschaffen werden müssen, damit das Ehrenamt den Wust an Aufgaben und Pflichten künftig noch bewältigen kann. Er sprach sich dafür aus, dass bestimmte Aufgabenbereiche von (hauptberuflichen) „Spezialisten“ erledigt werden sollten.  Die könnten im Übrigen die „Fachbereiche“ der Wehr unterstützen und den „rückwärtigen Bereich“ verstärken. „Einer möglichen Überforderung des Ehrenamtes kann auf diese Weise hervorragend vorgebeugt werden!“  Im Rahmen des Projektes „FeuerwEhrensache“ seien nach Ansicht Sieverings engagierte Arbeitsgruppen damit beschäftigt, zukunftsorientierte Lösungsansätze auf den Weg zu bringen. Das Projekt hatte erst jüngst ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) als kleinstes taktisches Löschfahrzeug vorgestellt. Auf dem Bonneberg gibt es mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug-Wasser/Sonder (TSF-W Sonder) allerdings seit mittlerweile elf Jahren ein identisches  Auto. Im November 2015 hatte Sievering deshalb Berthold Penkert, dem Direktor des Institutes der Feuerwehr in Münster,  vorgeschlagen:  „Kommen Sie nach Vlotho. Wir haben ein solches Fahrzeug. Das ist nichts Neues. 
Auf dem Weg zum Gottesdienst einen Schutzengel gehabt
Der Feuerwehrchef  erinnerte während der Hauptversammlung an die besonders heiklen Einsätze des letzten Jahres. Im Mai brannte der Dachstuhl eines Einfamilienhauses im Ortsteil Uffeln. Die Einsatzkräfte rückten über tragbare Leitern vor, entfernten die Dachpfannen und löschten die Flammen über drei Stunden hinweg gezielt ab, um einen größeren Wasserschaden zu vermeiden. Ein Blitzschlag hatte im Juli den Dachstuhl der Casanova-Bar in Wehrendorf in Brand gesetzt. Zwei Trupps bekämpften das Feuer im Innenangriff und aus dem Korb der Drehleiter heraus.  Nur wenige Tage später rückte die Feuerwehr Vlotho mit der Drehleiter (DLK) und dem Tanklöschfahrzeug 4000 (TLF 4000) ins Kalletal aus: In Langenholzhausen stand die historische Wassermühle in Flammen. Das Sturmtief „Zeljko“ hielt die Wehrleute am 25. Juli den ganzen Tag hindurch in Atem. Bis in den Abend hinein leisteten sie 39 Einsätze.  Im August verunglückte ein Autofahrer auf der Hohenhausener Straße. Der ältere Herr befand sich an jenem Sonntagmorgen auf dem Weg zum Gottesdienst. „Er hat wohl deshalb einen Schutzengel gehabt“, meinte Sievering. Ein Wohnungsbrand in Uffeln, der sich am frühen Morgen des 23. Oktober ereignete, verlief ebenfalls glimpflich. Die blinde Katze der Hausbewohner hatte rechtzeitig Alarm geschlagen!

Atemschutzübungsstrecke: Feuerwehrleute müssen sich in Geduld üben

Die Aktiven der Feuerwehr Vlotho investierten im vergangenen Jahr wieder viele Stunden in die Aus- und Fortbildung. Insgesamt 57 Lehrgangsplätze auf Stadt-, Kreis- und Landesebene seien im letzten Jahr besucht worden, berichtete der  Ausbildungsbeauftragte und stellvertretende Wehrführer André Storck. Erst nach acht Lehrgängen und rund 550 Unterrichtsstunden stände ein leistungsfähiger Trupp für den Innenangriff zur Verfügung, rechnete er vor. Es gebe in Vlotho keinen Ausbildungsstau mehr und die Schulungen auf Standortebene hätten ebenfalls eine hohe Qualität erreicht. „Wir haben einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, nämlich nach vorne!“
Dafür ist die Atemschutzübungsstrecke an der Kreisfeuerwehrzentrale bereits seit einigen Monaten wegen eines Schimmelbefalls nicht mehr nutzbar. Landrat Jürgen Müller erklärte dazu am Freitagabend, dass der Kreis gegenüber den Ehrenamtlichen in der Bringschuld stehe.  Durch eine umfangreiche Baumaßnahme werde das Problem gelöst, versprach er und bat gleichzeitig um Verständnis, dass sich die Feuerwehrleute noch zwei Jahre gedulden müssten. Die bereits früher angedachte Atemschutzwohnung könnte nun doch noch Realität werden, genauso wie die Beschaffung eines Brandübungscontainers. Müller: „Wir arbeiten an dem Thema und es wird uns gelingen, entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen!“ Zur Sanierung oder einem völligen Neubau der Rettungswache Vlotho hielt sich der Landrat bedeckt. Dazu vertrat Torsten Sievering einen deutlichen Standpunkt: „Die Feuerwehr spricht sich für einen Verbleib der Rettungswache am bisherigen Standort aus!“ 

Altersgrenze auf dem Prüfstand

Für den örtlichen Landtagsabgeordneten Christian Dahm bot die Jahreshauptversammlung Gelegenheit, um aus Düsseldorf zu berichten. Mit dem neuen BHKG sei im Dezember ein sehr gutes Gesetz verabschiedet worden, meinte er. Das Ehrenamt werde gestärkt und der Katastrophenschutz aufgewertet. Dahm sprach über die Neuerungen durch das Gesetz, wie die Verankerung von Kinderfeuerwehren, Schaffung von Vertrauenspersonen, Regelung der Ruhezeiten nach Einsätzen und einem verbesserten Unfallversicherungsschutz. Auf Landesebene werde weiterhin nach Lösungen gesucht, wie künftig mit Ölspuren und der Beseitigung von Tierkadavern umgegangen werden soll. „Es kann nicht sein, dass für solche Einsätze Ehrenamtliche von der Arbeit oder aus ihrer Freizeit geholt werden!“ Außerdem steht die Laufbahnverordnung, in der die Altersgrenze für den Einsatzdienst von zurzeit 60 Jahren geregelt ist, auf dem Prüfstand. Christian Dahm: „Da müssen wir noch einmal ran!“
Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer berichtete von stabilen Mitgliederzahlen auf Kreisebene. Die Zahl der Feuerwehreinsätze sei im vergangenen Jahr um 18 Prozent gestiegen. Eine deutliche Steigerung habe es zudem bei den Rettungsdiensteinsätzen gegeben. Angesichts dieser Zahlen bezeichnete Hackländer den Neubau der Kreisleitstelle und die grundlegende Renovierung der Kreisfeuerwehrzentrale als richtige Entscheidung.

„Ich danke Euch für die tolle Zeit!“

Mit Standing Ovation der gesamten Wehr wurde Bürgermeister a.D. Bernd Stute am Freitagabend verabschiedet. „Zwölf Jahre lang hat die Feuerwehr mit Dir einen guten Unterstützer gehabt“, sagte Sievering. Bernd Stute ging der Abschied sichtlich nahe. Ihr habt mir mit Eurem Applaus gerade einen bewegenden Moment beschert, der mich sehr berührt hat. Ich danke Euch für die tolle Zeit!“


Ehrungen und Beförderungen während der Jahreshauptversammlung:

Feuerwehrehrenzeichen des Landes NRW in Silber (25 Jahre)
Tim Baumann (LG Uffeln)
Sascha Bentrup (LZ Vlotho)
Nicolai Betten (LG Uffeln)
Michel Horling (LZ Vlotho)
Maik Sawieracz (LZ Vlotho)
Michael Seeger (LG Bonneberg)


Ehrungen des Verbandes der Feuerwehren (VdF NRW)
Karl Sorhage, für 60jährige Mitgliedschaft (LG Bonneberg)
Helmut Meise, für 50jährige Mitgliedschaft (LG Exter)
Friedrich-Wilhelm Südmersen, für 50jährige Mitgliedschaft (LG Steinbründorf)

Ehrung des Kreisfeuerwehrverbandes (Silberne Ehrennadel)
Horst Sett (LG Exter)

Beförderungen

Zum Feuerwehrmann
Damon Fieber (LG Exter), Jan Kuhlmann, Tim Papenhoff u. Fabian Schürmann (alle LG Steinbründorf),

Zum Oberfeuerwehrmann/ Zur Oberfeuerwehrfrau
Kassandra Schröder, Lavinia Schröder (beide LG Bonneberg) u. Nico Meyfeld (LZ Vlotho)

Zum Hauptfeuerwehrmann
Jan Grabowski (LG Bonneberg) u. Florian Mester (LG Exter)

Zum Unterbrandmeister/ Zur Unterbrandmeisterin
Anja Shepheard (LG Exter), Fabian Plettemeier (LG Uffeln) u. Benjamin Taake (LZ Vlotho)

Zum Brandmeister
Thomas Stelzer (LG Exter), Michael Kullmann u. Waldemar Weiss (beide LZ Vlotho)


Zum Oberbrandmeister
Thorsten Schlüter (LZ Vlotho)


Zum Hauptbrandmeister
Torsten Schmiedekamp (LG Steinbründorf) u. Sascha Bentrup (LZ Vlotho)

Zum Brandinspektor
Sven Detering (LG Uffeln)

                                                                                                                     Von Jens Vogelsang
                                                                                                                     (Text u. Fotos)




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Wehrführer Torsten Sievering erstattet während der Jahreshauptversammlung wie 
gewohnt ausführlich Bericht.


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Er sieht die Belastungsgrenze seiner Leute überschritten, während Stellvertreter
 André Storck (l) den hohen Ausbildungsstand hervorhebt.  


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(v.l.) Kreisbrandmeister a.D. Dieter Wilkening, Landrat Jürgen Müller und Bürgermeister Rocco Wilken gehören zu den Ehrengästen.


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Bürgermeister a.D. Bernd Stute nimmt mit bewegenden Worten Abschied.


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Tim Baumann (l) erhält von Bürgermeister Rocco Wilken das Feuerwehrehrenzeichen in Silber des Landes NRW.


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Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer (r) zeichnet Horst Sett mit der 
Ehrennadel in Silber des Kreisfeuerwehrverbandes aus.


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Gruppenfoto der Geehrten


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(v.l.) Stellv. Wehrführer André Storck, Bürgermeister Rocco Wilken, Helmut Meise (Ehrung für 50jährige Mitgliedschaft), Karl Sorhage (Ehrung für 60jährige 
Mitgliedschaft), KBM Wolfgang Hackländer, Friedrich-Wilhelm Südmersen (Ehrung für 50jährige Mitgliedschaft) u. Wehrführer Torsten Sievering 


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Gruppenfoto der Beförderten (bis zum Unterbrandmeister)


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Gruppenfoto der Beförderten: (v.l.) Stellv. Wehrführer André Storck, Michael Kullmann, Thomas Stelzer, Waldemar Weiss, Thorsten Schlüter, Torsten  Schmiedekamp, Sascha Bentrup, Sven Detering u. Wehrführer Torsten Sievering