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An der Leistungsgrenze angekommen!
Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Vlotho

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Vlotho. Die Zahl der Feuerwehreinsätze hat in Vlotho einen neuen Spitzenwert erreicht. 252 Mal rückten die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr aus. Die Zahl der geleisteten Einsatzstunden habe mit 6.360 ein noch nie da gewesenes Rekordniveau erreicht, sagte Wehrführer Torsten Sievering. „Wir haben damit das Leistungslimit nicht nur erreicht, sondern überschritten!“. „Feuerwehr 2020“, dieses Schlagwort machte während der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag (6.02.2015) die Runde. Der Feuerwehrchef stellte dazu die alles entscheidende Frage: „Wie schaffen wir es, die Freiwillige Feuerwehr für die nächsten Jahre attraktiv zu gestalten?“

Die Veranstaltung, die im „Haus der Feuerwehr“ Am Bullerbach stattfand, war sehr emotional geprägt. Sie stand noch unter dem Einfluss des schlimmen Einsatzes, bei dem am Silvesterabend zwei Menschen ihr Leben verloren hatten. Ralf Steiner, seine Funktion als Notfallseelsorger wird seitdem besonders hoch geschätzt, übernahm zu Beginn der Versammlung die Totenehrung. Er zeigte sich dankbar, dass in jener Nacht eine junge Frau von der Feuerwehr gerettet werden konnte. „Ich richte meinen Dank auch nach oben!“ Die Wehrleute könnten sich mit der besten Ausrüstung schützen, meinte Steiner.  Doch wer schütze ihre Seelen? Da gebe es nur ein Rezept: „Reden, reden, sich alles von der Seele reden.“ Und: „ Als Gesprächspartner bin ich für Euch da!“  Vlothos Bürgermeister Bernd Stute würdigte den Einsatz der beiden Notfallseelsorger, Pfarrer Ralf Steiner (Exter) und Pfarrer Christoph Beyer (Valdorf). „Ihr tröstet, baut auf und gebt Kraft!“  Für Stute war es die letzte Jahreshauptversammlung als Verwaltungschef. Er wird im September nicht erneut als Bürgermeister kandidieren und bewirbt sich stattdessen um das Landratsamt. Stute lobte noch einmal aus tiefer Überzeugung den selbstlosen Einsatz der Ehrenamtlichen. „Das war und wird niemals selbstverständlich sein!“ Der Bürgermeister hatte in den zurückliegenden Jahren stets ein besonderes Augenmerk auf eine gute Ausstattung der Vlothoer Wehr gelegt. „Sie brauchen diese Ausrüstung und haben sie deshalb verdient.“ Stute hatte sich während seiner Amtszeit im Kreis der Jugendfeuerwehr ebenfalls beliebt gemacht. Die Nachwuchsblauröcke waren erst im vergangenen Jahr mit einem (fast) neuen Mannschaftstransporter ausgerüstet worden. „Du warst immer für die Jugendfeuerwehr dar“, sagte Kreisjugendfeuerwehrwartin Natascha Meier, die dem scheidenden Bürgermeister dafür mit der Florianmedaille der Deutschen Jugendfeuerwehr auszeichnete.
In seinem Jahresbericht hob Feuerwehrchef Torsten Sievering zwei Einsätze besonders hervor. Er kam zunächst noch einmal auf den Wohnungsbrand am 31. Dezember zu sprechen. „Nur durch die moderne Technik und Ausrüstung sowie eine gute Ausbildung konnte ein Menschenleben gerettet werden.“ Und nur aus diesen Gründen hätten die Feuerwehrleute selber wieder heil zu ihren Familien zurückkehren können. Drei Personen galten damals in einem lichterloh brennenden Wohnhaus in Vlotho-Valdorf als vermisst. In einer extremen Rettungsaktion gelang es schließlich „Atemschutztrupp 26“ zwei junge Frauen mit der Wärmebildkamera zu finden und aus dem Obergeschoss zu retten. Für eines der Mädchen und ihren Großvater kam leider jede Hilfe zu spät. „Während des Einsatzes sind wir über unsere Grenzen hinaus gegangen – physisch und psychisch“, sagte Sievering, den die Ereignisse selber sehr mitgenommen hatten. Im Mai erwies sich ein anderes Gerät als Lebensversicherung. An jenem Mittwoch wurden die Wehrleute zu einer hilflosen Person gerufen. Hinter der Wohnungstür lauerte allerdings tödliches Kohlenmonoxid, das mit Hilfe eines CO-Warngerätes gerade noch rechtzeitig lokalisiert werden konnte. Acht Personen, die vor der Messung das Haus betreten hatten, erlitten leichte Rauchgasvergiftungen. Sievering erinnerte außerdem an den Brand eines Reisebusses auf der Autobahn 2. Die Fahrt des Doppeldeckers, die eigentlich von Riga nach Paris führen sollte, endete an der Anschlussstelle Exter, nachdem der Fahrer Rauch bemerkt hatte. Die 46 Insassen blieben zum Glück unverletzt. Feuerwehrleute aus Exter und Uffeln sowie vom Löschzug Vlotho löschten das Fahrzeugwrack. 32 Brände haben die Wehrleute der Weserstadt im vergangenen Jahr gelöscht, dazu kommen 174 Technische Hilfeleistungen und 46 Fehleinsätze. Ein Unwetter im Bereich des Winterbergs bescherte den Einsatzkräften allein Ende April 26 Einsätze. Der bald zu beratende Brandschutzbedarfsplan werde aufzeigen, so Sievering, wie die Feuerwehr Vlotho unter dem Schlagwort „Feuerwehr 2020“ technisch aufgestellt sein müsse. „Die Schutzkleidung 2020 wird eine andere sein, als heute!“. Und bei den Gerätehäusern müsse ebenfalls investiert werden; denn keines der Domizile entspreche den gesetzlichen Anforderungen. Ein Feuerwehrgerätehaus sei schließlich über viele Stunden im Jahr das Zuhause der Wehrleute. Vor allem der bauliche Zustand des alten „Spritzenhauses“ im Stadtteil Uffeln ist bedenklich. Bürgermeister Stute sprach in diesem Zusammenhang von einem Neubau, für den der Startschuss noch in diesem Jahr fallen könnte.
„Eine gute Ausbildung ist unsere Lebensversicherung“, stellte der stellvertretende Wehrführer und Ausbildungsbeauftragte André Storck klar. Trotzdem werde es zunehmend schwieriger, alle Lehrgangs- und Seminarplätze zu belegen. Seiner Meinung nach sei eine gewisse Sättigung unter den Feuerwehrleuten eingetreten. Die Führungskräfte seien daher gefordert, ihre Leute immer wieder zu motivieren. „Ohne qualifizierte Schulung ist schließlich keine kompetente Hilfe möglich!“ Die Grundausbildung der jungen Feuerwehrleute fand im letzten Jahr erneut als Ausbildungsgemeinschaft statt, an der sich die Feuerwehren Herford und Hiddenhausen sowie die Betriebsfeuerwehr Schüco beteiligten.
Landtagsabgeordneter Christian Dahm, der in Vlotho zuhause ist, berichtete während der Jahreshauptversammlung aus Düsseldorf. Sicher sei, so Dahm, auch die Feuerwehr 2020 werde nur mit Unterstützung der ehrenamtlichen Kräfte funktionieren. „Wir brauchen dazu allerdings mehr junge Leute, mehr Frauen und mehr Migranten.“ Das neue Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung (FSHG), das künftig Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) heißen wird, werde momentan mit den Gewerkschaften, den kommunalen Spitzenverbänden und dem Verband der Feuerwehren abgestimmt. Christian Dahm ließ bereits einige der Neuerungen durchblicken. So bestehe für den Kreisbrandmeister in Zukunft die Möglichkeit im Ehren- oder Hauptamt tätig zu sein. Außerdem, so der Politiker, könne es nicht angehen, dass für die Beseitigung von Tierkadavern und Ölspuren künftig weiterhin das Ehrenamt herangezogen werde. Nach Ansicht von Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer gehe die Gesetzesvorlage allerdings nicht weit genug. Wichtig wäre, die Hilfsfristen ebenfalls gesetzlich zu regeln. Nach einer allgemein anerkannten Empfehlung sollen nach acht Minuten mindestens neun Wehrleute vor Ort sein.  Weil dieses Schutzziel nicht erreicht wurde, war die Hilfsfrist in einer Nachbarkommune kurzerhand durch den Gemeinderat auf zehn Minuten angehoben worden. Eine Stellungnahme des Kreisbrandmeisters ist in einem solchen Fall nicht vorgesehen. Es gebe daher gute Gründe, dem Wunsch der Wehrleute zu entsprechen und eine Achtminutengrenze auf Landesebene gesetzlich festzuschreiben. Doch ein solcher Schritt würde in die kommunale Selbstverwaltung  eingreifen und müsste letztendlich vom Land auch finanziert werden.
Im vergangenen Jahr habe sich die zunehmende Fluktuation auf die Zahl der Aktiven ausgewirkt, sagte Wehrführer Torsten Sievering zum Abschluss der Jahreshauptversammlung. Trotz Werbemaßnahmen seien kaum neue Aktive zu verzeichnen gewesen. „Darum müssen wir die Jugendfeuerwehr weiter stärken!“ Mehr als 50 Einsatzkräfte sind in den vergangenen 25 Jahren aus der Nachwuchsgruppe hervorgegangen. Ich wünsche mir, dass die gute Zusammenarbeit unter dem neuen Bürgermeister nahtlos weiterläuft. „Schreibt Euch das auf!“, so der Wehrführer an die Adresse der Bürgermeisterkandidaten, die beide als  Ehrengäste an der Versammlung teilnahmen.


Ehrungen und Beförderungen während der Jahreshauptversammlung:

Feuerwehrehrenzeichen des Landes NRW in Silber (25 Jahre)
Carsten Böttcher (LZ Vlotho)
Sven Detering (LG Uffeln)

Ehrung des DFV
Feuerwehrehrenkreuz in Gold
Torsten Sievering (Wehrführer)

Ehrungen des Verbandes der Feuerwehren (VdF NRW)
Hans Albrecht, für 60jährige Mitgliedschaft (LZ Vlotho)
Heinrich Diekmeier, für 60jährige Mitgliedschaft (LG Uffeln)
Erwin Twelsiek, für 50jährige Mitgliedschaft (LG Exter)

Beförderungen


Zum Feuerwehrmann

Nikolai Hofmann (LG Uffeln) u. Jan Kohlstädt (LZ Vlotho)


Zum Oberfeuerwehrmann/ Zur Oberfeuerwehrfrau
Nele Grabowski (LG Bonneberg), Jennifer Grove (LG Steinbründorf), Matthias Krampe u.
Stefan Sellmann (beide LG Uffeln), Kevin Stüwe u. Jens Wömpner (beide LZ Vlotho)
 

Zum Hauptfeuerwehrmann
Nico Focke (LG Bonneberg), Stephan Burmeister u. Christoph Keast (beide LG Exter),
Mario Grove (LG Steinbründorf) u. Michael Stürmer (LZ Vlotho)

Zum Unterbrandmeister/ Zur Unterbrandmeisterin

Nils Grabowski (LG Bonneberg), Patrick Wiegner (LG Exter) u. Nora Timmerberg (LZ Vlotho)

Zum Brandmeister
Jan Göhner (LG Steinbründorf) u. Michael Sellmann (LZ Vlotho)


Zum Oberbrandmeister
Ralf Wallbaum (LG Steinbründorf) u. Torsten Wandel (LZ Vlotho)


Zum Hauptbrandmeister
Sascha Bentrup (LZ Vlotho)

Zum Brandoberinspektor
Olaf Strehlow (LG Steinbründorf) u. Dirk Rethmeier (LZ Vlotho)


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Januar: Nach einem Verkehrsunfall werden die beiden Insassen „patientenschonend“ gerettet. (Foto: FW Vlotho)


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Januar: An der Anschlussstelle Exter endet die Fahrt eines Reisebusses aus Riga. (Foto: FW Vlotho)


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Feuerwehrleute aus Exter, Uffeln und vom Löschzug Vlotho löschen die Flammen.
 (Foto: FW Vlotho)


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Mai: 13 Personen klagen in einem Bonneberger Hotel über Übelkeit und Unwohlsein: Die Leitstelle löst daraufhin MAnV-Alarm aus (Massenanfall von Verletzten). (Foto: FW Vlotho)


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Juni: Ein mit Vinylacetat beladener Tanklastzug rutscht im Kurgebiet Vlotho in den Graben, weil sich der Fahrer auf sein Navigationsgerät verlassen hatte.
 (Foto: FW Vlotho)


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Die Feuerwehrleute vom Bonneberg und aus Exter rüsten sich mit speziellen 
 Anzügen aus, um im Notfall sofort eingreifen zu können. (Foto: FW Vlotho)


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Das neue TLF 4000 (340 PS, 18 Tonnen, 5.000 Liter Löschwasser) wird an die Wehr übergeben (v.l. KBM Wolfgang Hackländer, Bürgermeister Bernd Stute, Wehrführer Torsten Sievering u. Löschzugführer Dirk Rethmeier. (Foto: FW Vlotho)


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„Danke Bernd!“ Kreisjugendfeuerwehrwartin Natascha Meier zeichnet den Bürgermeister mit der Florianmedaille aus.


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Wehrführer Torsten Sievering: „Mit der Wärmebildkamera gelang es, ein Menschenleben zu retten!“


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„Eine gute Ausbildung ist unsere Lebensversicherung“, meint Ausbildungsbeauftragter André Storck.


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Christian Dahm (MdL): „Das Ehrenamt ist auch für die Feuerwehr 2020 unverzichtbar.“


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Für KBM Wolfgang Hackländer geht der „BHKG-Gesetzentwurf“ nicht weit genug.


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Ehrung mit dem Ehrenkreuz des DFV in Gold: Ein sichtlich gerührter Torsten Sievering sagt „Dankeschön!“


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(v.l.) Torsten Sievering (Ehrenkreuz in Gold), stellv. KBM Bernd Kröger, stellv. Wehrführer André Storck, KBM Wolfgang Hackländer, Bürgermeister Bernd Stute, Carsten Böttcher (Ehrenzeichen in Silber), Hans (Hansi) Albrecht (Ehrung für 60 Jahre), Heinrich Diekmeier (Ehrung für 60 Jahre), Erwin Twelsiek (Ehrung für 50 
 Jahre) u. Sven Detering (Ehrenzeichen in Silber)


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Gruppenfoto der frisch beförderten Feuerwehraktiven



Text: Jens Vogelsang

(Fotos: Feuerwehr Vlotho)