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Großbrände lassen Zahl der Einsatzstunden „explodieren“!
Feuerwehr Vlotho zieht Bilanz; Kreis Herford hat kein Geld für notwendige Fortbildungen

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Das Jahr 2011 hat der Feuerwehr Vlotho 200 Einsätze „beschert“. 6.040 Stunden wurden dabei von den 151 ehrenamtlichen Wehrleuten geleistet. Das ist der höchste Stand in der Geschichte der Feuerwehr Vlotho, zumindest soweit die Aufzeichnungen zurückreichen“, sagte  Wehrführer Torsten Sievering. Zum „Feuerwehralltag“ des letzten Jahres zählten allerdings noch eine Reihe weiterer Aktivitäten. Das wurde während der Jahreshauptversammlung deutlich, die Anfang Februar in der Feuerwache Vlotho stattfand. Bürgermeister Bernd Stute, die Spitzenvertreter aus Rat und Verwaltung und Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer nahmen daran teil.   

Mehrere Großbrände und Chemieunfälle hatten die Zahl der Einsatzstunden im Jahr 2011 geradezu explosionsartig steigen lassen. Sievering sprach von rund 25 Prozent. So stand im April der Dachstuhl der leer stehenden Schöningschen Villa nach einer Rauchgasdurchzündung im Vollbrand. Der einstige Prachtbau am Amtshausberg war bereits zuvor durch Vandalismus schwer gezeichnet. Okkultisten hatten das Gebäude zur  „Geistervilla“ erklärt und damit für Schlagzeilen gesorgt. Nur wenige Wochen später kam es auf dem Gelände des Recyclingzentrums Drekopf in Bünde zu einer folgenschweren chemischen Reaktion in einem Stapel mit Eierkartons. 250 Feuerwehrleute aus der gesamten Region mussten anschließend über zwei Tage hinweg Berge von Papier- und Kunststoffmüll ablöschen. Von der Feuerwehr Vlotho waren das Tanklöschfahrzeug 24/50 mit 5.000 Liter Löschwasser und 500 Liter Schaummittel stundenlang im Einsatz. Ein ähnliches Szenario ereignete sich am 1. Juli in Porta-Westfalica. Beim Abfallentsorgungsbetrieb Tönsmeier standen hunderte Ballen aus gepressten Kunststoffabfällen in Flammen. Der Großbrand sorgte bundesweit für Schlagzeilen, da die Haupteisenbahnstrecke Köln – Berlin wegen der gigantischen Rauchsäule aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. „Vom Tanklöschfahrzeug aus Vlotho wurde ein Schaumteppich über den Brandherd gelegt“, berichtete Torsten Sievering. Mitglieder der Löschgruppe Uffeln hätten währenddessen stundenlang die Wasserversorgung aus der Wester unterstützt. „Es brennt etwas an einer Lackiermaschine!“ Dieser Notruf, den die Kreisleitstelle am 27. September erreichte, hörte sich eigentlich nicht sonderlich spektakulär an. Als die ersten Kräfte der Löschgruppe Vlotho-Exter beim Möbelhersteller Nitsche eintrafen, stand jedoch ein Großteil der Montagehalle bereits im Vollbrand (Foto). „Ein Großaufgebot von 250 Feuerwehrleuten mit 21 Tanklöschfahrzeugen bekam die Lage schließlich nach zwei Stunden in den Griff“, erinnerte Feuerwehrchef Sievering. Außerdem sei es gelungen, den neuen Produktionsbereich mit den wertvollen Maschinen und zwei angrenzende Wohnhäuser vor dem Flammenmeer zu retten. Mittlerweile hat der Wiederaufbau der abgebrannten Unternehmensteile begonnen. Daneben hielten zwei Chemieunfälle beim Kunststoffspezialisten ASV Stübbe die Wehr in Atem. Bei diesen Einsätzen, so Sievering, sei vermutlich Fluorwasserstoffgas ausgetreten. Der GSG-Zug (Gefährliche Stoffe und Güter) aus Löhne und ein Messfahrzeug der hauptamtlichen Wache Herford kamen deshalb zur Hilfe. Einsätze auf der Autobahn sorgten  im vergangenen Jahr wiederum für schlimme Unfallbilder. Im Januar konnten Einsatzkräfte der Feuerwehr Vlotho einen verletzten Lastwagenfahrer erst nach einer umfangreichen technischen Rettungsaktion aus dem völlig zerstörten Führerhaus befreien (Foto).
Über ein neues Staffellöschfahrzeug (StLF 10/10) freut sich die Löschgruppe Vlotho-Uffeln (Foto). Der Wagen mit 1.000 Liter Wasser wurde Anfang letzten Jahres beim Herstellerwerk in Rendsburg übernommen. „Es handelt sich um das kostengünstigste Löschfahrzeug auf dem Markt“, betonte Torsten Sievering. Die Stadt Vlotho habe dafür 140.000 Euro aufgewendet.
Viele Stunden investierten die Aktiven in den zurückliegenden Monaten in die Aus- und Fortbildung. Auf Stadtebene wurden ein Seminar Absturzsicherung sowie die Drehleiterhelfer- und Drehleitermaschinisten-Ausbildung organisiert. Am Institut der Feuerwehr nutzten die Wehrleute aus der Weserstadt das Außengelände, um hier ganz ohne Prüfungsstress verschiedene Einsatzszenarien durchzuspielen. Die Grundausbildung wurde im Jahr 2011 wie gewohnt gemeinsam mit den Feuerwehren Herford und Hiddenhausen durchgeführt. Kritisch beurteilte Sievering hingegen die Haltung der Kreisverwaltung Herford, die für das MANV-Konzept (Massenanfall an Verletzten) verantwortlich ist, notwendige Rettungsdienstfortbildungen der ehrenamtlichen Helfer aus den Schelleinsatzgruppen (SEG) aber nicht bezahlen will. „Hier dreht sich der Kreis im Kreis“, sagte Sievering. Angesichts des hohen ehrenamtlichen Einsatzes der Wehrleute wäre ein wenig mehr Weitblick angesagt. Die SEG der Feuerwehr Vlotho zählt acht Aktive, die als Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten ausgebildet sind. Sie kommen bei einem MANV-Einsatz ab Stufe 2 zum Einsatz.
Sehr engagiert sind die Wehrleute von der Weser im Übrigen im Bereich Brandschutzerziehung und –aufklärung.  „Mit dem Kindergarten Exter besteht sogar ein Kooperationsvertrag“, so Torsten Sievering. Im November reisten die Führungskräfte der Feuerwehr Vlotho auf eigene Initiative und eigene Kosten nach Bergneustadt. Im „Haus Phönix“, dem ehemaligen Feuerwehrtagungs- und Erholungshotel, wurde über die Zukunft der Wehr gesprochen (Foto). Torsten Sievering: „Wir müssen das Jahr 2012 nutzen, um mit guten Konzepten weiterhin genügend Nachwuchs zu finden!“

Ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feierten Thomas Prüßmeier (LG Vlotho-Bonnerg), Klaus-Dieter Wiegner (LG Vlotho-Exter) und Christoph Lühr (LG Vlotho-Steinbründorf). Sie wurden von Bürgermeister Stute mit dem Feuerwehrehrenzeichen des Landes NRW in Silber ausgezeichnet. Weiterhin nahm Wehrführer Sievering folgende Beförderungen vor:
Zum Feuerwehrmann:
Bernd Köster (LZ Vlotho), Rainer Kuhlmann (LG Vlotho-Steinbründorf)
Zur Oberfeuerwehrfrau/ Zum Oberfeuerwehrmann:
Manuel Besler, Jonas Grabowski (beide LG Vlotho-Bonneberg), Philip Störmer (LG Vlotho-Steinbründorf), Maksim Seller, Thomas Sellmann (beide LG Vlotho-Uffeln)
Zu Unterbrandmeistern:
Sven Johanning (LG Vlotho-Uffeln), Sascha Keast (LG Vlotho-Exter), Manuel Paepke (LG Vlotho-Steinbründorf)
Zum Brandmeister:
Sascha Besler (LG Vlotho-Bonneberg)
Zum Hauptbrandmeister:
Matthias Böker, Ralf Meise (beide LG Vlotho-Bonneberg), Andre Rehm (LZ Vlotho)





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Die Montagehalle der Möbelwerkstätten Nitsche wird zur "Flammenhölle"


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Fahrzeugbergung aus der Weser


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Der Dachstuhlbrand eines Bahnwärterhauses gehört zu den Routineeinsätzen.


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Die LG Vlotho-Uffeln erhält ein neues StLF 10/10: (v.l.) Sven Detering(stellv. Leiter der LG),
Wehrführer Thorsten Sievering, „Fritze“ Schröder (Leiter der LG) u. Bürgermeister Bernd Stute


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Im Tagungshotel Phönix wird über die Zukunft der Feuerwehr Vlotho gesprochen.

Text: Jens Vogelsang

(Fotos: Feuerwehr Vlotho)