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Zurück zu den Kernaufgaben
Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Vlotho

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Vlotho.  Für die Freiwilligen Feuerwehren im Lande schlägt es fünf vor zwölf. Sie werden immer öfter um Hilfe gerufen, gleichzeitig sind aber immer weniger Menschen bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren.  Auf allen Ebenen wird gemeinsam mit den Feuerwehrleuten nach Lösungen gesucht. „Wir müssen endlich weg von allen Aufgaben, die nicht unseren Kernbereich betreffen“, bekräftigte Vlothos Feuerwehrchef  Torsten Sievering am Freitagabend (3.02.2017) während der Jahreshauptversammlung im „Haus der Feuerwehr“ Am Bullerbach.  Sievering sieht die Leistungsgrenze der Feuerwehr  Vlotho bereits seit geraumer Zeit deutlich überschritten. Im vergangenen Jahr rückten die Wehrleute der Weserstadt erneut zu 262 Einsätzen aus.

Bürgermeister Rocco Wilken bekannte ganz offen, sich in den Reihen der Feuerwehrleute  sehr wohl zu fühlen. „Mein allergrößter Respekt gilt der ehrenamtlichen Arbeit!“   Trotz gewisser wahrnehmbarer Bedrohungen gehe es den Menschen im Lande insgesamt gut, meinte Wilken. Er beklagte die Ignoranz vieler Bürger, die den Sozialstaat als etwas Selbstverständliches empfinden.  Andererseits gebe es auch die Menschen, die  der Gesellschaft  in der sie leben etwas zurückgeben,   sagte der Verwaltungschef und meinte damit die anwesenden Feuerwehrleute, Gäste des Roten Kreuzes und Technischen Hilfswerks. „Vielen Dank für Eure Arbeit und den Mut, den ihr an mancher Stelle aufgebracht habt!“ Zuvor hatte die Versammlung schweigend innegehalten. Exters Gemeindepfarrer Ralf Steiner erinnerte während der  Totenehrung an den verstorbenen Kameraden Bernd Meier und die Feuerwehrleute, die in Oberhausen und im Chemiepark Ludwigshafen ihr Leben lassen mussten.

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Mai 2016: In Wehrendorf brennt der Dachstuhl eines Wohnhauses (Foto: FW Vlotho)


Torsten Sievering: „Ihr habt die stolze Zahl von 5.236 Einsatzstunden gleistet!“


Nach wie vor seien allein die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner die Schlüsselressource  zur Erfüllung der vielfältigen Feuerwehraufgaben, sagte Torsten Sievering in seinem Jahresbericht. „Leider ist die Zahl der aktiven Feuerwehrleute seit Jahren rückläufig!“   In Vlotho versehen aber immerhin noch 140 Ehrenamtliche ihren Dienst beim Löschzug Vlotho und den Löschgruppen Bonneberg, Exter, Steinbründorf und Uffeln. Der Mitgliederbestand in der Jugendfeuerwehr, die von Michel Horling und Stephan Burmeister geleitet wird,  ist mit 29 Mädchen und Jungen konstant geblieben.  Sievering lobte ausdrücklich die gute Jugendarbeit des Betreuerteams.  Eine Feuerwehr werde es auch in Zukunft in jeder Kommune und in jedem Landkreis geben. „Die große Frage ist angesichts der demografischen Entwicklung, ob es auch in Zukunft genügend gut ausgebildete ehrenamtliche Feuerwehrkräfte geben wird, die die vielfältigen Aufgaben im Ehrenamt bewältigen können!“ Der Feuerwehrchef forderte zunächst einmal eine Entlastung seiner Leute. „Ölspuren abfegen,  umgefallene Straßenschilder aufstellen und Tierkadaver beseitigen, sind nicht unsere Kernaufgaben!“  Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer bestätigte, dass die Zahl der Aktiven kreisweit zurückgegangen sei. „Das ist ein Alarmsignal!“ Genau deshalb sei die landesweite Werbekampagne zur Mitgliedergewinnung so wichtig. Wir müssen das Thema gemeinsam intensiv anpacken. „Das wird ein sehr zäher und anstrengender Weg werden!“ 

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August 2016: Aus einem Triebwagen laufen größere Mengen Dieselkraftstoff aus. (Foto: FW Vlotho)


Kanthölzer auf die Schienen gelegt


Zu 262 Einsätzen rückten die Feuerwehrleute der Weserstadt im vergangenen Jahr aus.  Alleine 167 Technische Hilfeleistungen, bei denen 25 Menschen aus Notlagen befreit wurden, sind in der Statistik aufgeführt. 39 Brände, darunter drei Großbrände,  löschten die Wehrleute im vergangenen Jahr.  „Ihr habt die stolze Zahl von 5.236 Einsatzstunden geleistet!“

Sievering erinnerte am Freitagabend an einige besondere Einsatzsituationen.  Im März waren größere Mengen Gülle von einem landwirtschaftlichen Anwesen im Bäderbereich ausgetreten und in den Kurpark geflossen. Die Wehrleute hätten als Sofortmaßnahme alle am Bachlauf der Linnenbeeke liegenden Fischteiche abgeriegelt, schilderte der Wehrführer. Nur wenige Tage später folgte ein ungewöhnlicher Einsatz: Die Feuerwehr übernahm auf dem Campingplatz Borlefzen für fünf Nächte eine Brandsicherheitswache, weil ein Reparaturzug  der Bahn die einzige Zufahrt versperrte.  Am 29. Mai stand der Dachstuhl eines Wohnhauses im Ortsteil Wehrendorf in Flammen. Die Leitstelle löste die höchste Alarmstufe aus. Feuerwehrleute vom Löschzug Vlotho sowie der Löschgruppen Exter, Steinbründorf und Uffeln übernahmen die Löscharbeiten, während die Wehrleute vom Bonneberg den Grundschutz im Stadtgebiet sicherstellten. Anfang Juni führten heftige Starkregenfälle zu 39 Einsätzen an nur einem Tag. Am 17. August blieb ein Triebwagen auf der Fahrt von Hameln nach Bünde im Bahnhof Vlotho liegen.  „Der Zug war zuvor mit Kanthölzern kollidiert, die unbekannte auf die Schienen gelegt hatten“, so der Wehrführer.  Einsatzkräfte der Löschgruppe Uffeln und vom Löschzug Vlotho pumpten den 750 Liter fassenden Dieseltank leer, der bei dem Vorfall stark beschädigt worden war. Ein Unfall auf der Autobahn entwickelte sich nur vier Tage später zu einem „ABC-Einsatz“, nachdem auf der Ladefläche des polnischen Kleinlasters plötzlich Gebinde mit der Gefahrstoffnummer 2811 aufgetaucht waren. Einer Senioreneinrichtung in Vlotho erteilte  Sievering keine guten Noten beim Vorbeugenden Brandschutz. Die Brandmeldeanlage der Residenz hatte im letzten Jahr mehr als zehn Mal ausgelöst. In fünf Fällen brannte es tatsächlich. Verletzt wurde glücklicherweise niemand und auch die Sachschäden blieben gering.

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Zu exakt 100 Unwettereinsätzen rückte die Feuerwehr Vlotho im vergangenen Jahr aus. (Foto: FW Vlotho)


Neue Schutzkleidung für den Innenangriff

Die Stadt Vlotho investierte im vergangenen Jahr 314.000 Euro, um die Ausrüstung ihrer Feuerwehr auf einem modernen Stand zu halten. Größter Posten war das neue Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF 20) für die Löschgruppe Exter. Im Frühjahr wird es eine neue, einheitliche Schutzkleidung – bestehend aus Helm, Schutzhaube, Überjacke, Überhose und Handschuhen - für alle Atemschutzgeräteträger der Weserstadt geben. Eine Arbeitsgruppe hatte zuvor ausgiebige Tests durchgeführt, einen umfangreichen  Bericht erstellt und eine Empfehlung ausgesprochen. „Mit der neuen Kleidung sind die Kräfte, die in die Flammen gehen, bestens geschützt!“ Sievering kam außerdem auf den General-Instandsetzungsplan der Gerätehäuser zu sprechen, der jetzt „mit Leben gefüllt werden müsse“. Mit dem Umbau und der Erweiterung der Rettungswache Vlotho, so forderte er, müsse die Sanierung des Gerätehauses am gleichen Standort einhergehen. „Die Fahrzeughallen haben den Stand von vor 42 Jahren!“ Die Gerätehäuser auf dem Bonneberg und im Stadtteil Exter entsprächen ebenfalls nicht den Unfallverhütungsvorschriften, bemängelte der Feuerwehrchef. Andererseits lobte er die Fortschritte in Uffeln, wo zurzeit für rund 800.000 Euro ein neues Gerätehaus am alten Standort entsteht. Im Vorfeld der Baumaßnahme hatte es Querelen mit der Nachbarschaft gegeben. Torsten Sievering: „So etwas gehört sich nicht in einer Dorfgemeinschaft!“


Tagesalarmbereitschaft sorgt für mehr Sicherheit


Im zurückliegenden Jahr fanden bei der Feuerwehr Vlotho 220 Übungsdienste statt. 63 Aktive der Weserstadt nahmen an der Kreisfeuerwehrzentrale an Lehrgängen und Seminaren teil. „Diese Zahlen zeigen deutlich, wie groß die Bereitschaft zur Fortbildung ist“, sagte Sven Detering, einer der beiden neuen stellvertretenden Wehrführer. Der andere Stellvertreter, Thomas Twelsiek, kündigte während der Hauptversammlung die Einführung einer Tagesalarmbereitschaft an, die für mehr Sicherheit sorgen soll. „Wir werden aus allen Einheiten eine Gruppe bilden, die am Tage zu sämtlichen Einsätzen mit alarmiert wird, um die örtlichen Kräfte zu verstärken. Ein anderer verdienter Feuerwehrmann nahm am Freitagabend als Führungskraft seinen Abschied. André Storck hatte für eine zweite Amtszeit als stellvertretender Wehrführer nicht mehr zur Verfügung gestanden. Er habe dem Wehrführer stets loyal zugearbeitet, sagte Bürgermeister Wilken. „Sie haben durch ihre Sachkunde und soziale Kompetenz zur hohen Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Vlotho beigetragen!“ Ein Bürgermeister könne sich nur glücklich schätzen, solche Bürger in seiner Stadt zu wissen.  
 
Von Jens Vogelsang
 
(Text u. Fotos)

Ehrungen und Beförderungen während der Jahreshauptversammlung:

Feuerwehrehrenzeichen des Landes NRW in Silber (25 Jahre)
Nadine Schröder-Hanisch (LG Bonneberg)
Michael Meise (LG Exter)
Lothar Sommer (LG Uffeln)

Feuerwehrehrenzeichen des Landes NRW in Gold (35 Jahre)
Heinz-Werner Schuhmacher (LG Steinbründorf)
Ralf Wallbaum (LG Steinbründorf)
Hermann Hoberg (LZ Vlotho)
 
Ehrungen des Verbandes der Feuerwehren (VdF NRW)
Wilfried Twelsiek, für 50jährige Mitgliedschaft (LG Exter)

Beförderungen

Zum Feuerwehrmann
Niclas Lühr (LG Steinbründorf)
Jonas Fockel (LZ Vlotho)
Lukas Wandel (LZ Vlotho)

Zum Oberfeuerwehrmann
Nikolai Hofmann (LG Uffeln)
Jan Kohlstädt (LZ Vlotho)

Zum Hauptfeuerwehrmann
Jan Störmer (LG Steinbründorf)
Thomas Sellmann (LG Uffeln)

Zum Unterbrandmeister
Manuel Besler (LG Bonneberg)
Stephan Burmeister (LG Exter)
Andreas Distelmeier (LZ Vlotho)

Zum Brandmeister
Bernd Köster (LZ Vlotho)

Zum Oberbrandmeister
Jan Göhner (LG Steinbründorf)
Michael Sellmann (LG Uffeln)

Zum Brandoberinspektor
Seven Detering (LG Uffeln)

Zum Stadtbrandinspektor
Thomas Twelsiek (LZ Vlotho)



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Aus einer Zwischendecke dieses Altenheims dringt Rauch,
nachdem auf dem Flachdach Reparaturarbeiten stattfanden. (Foto: FW Vlotho)


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Torsten Sievering hat zur Jahreshauptversammlung in die Feuer- und Rettungswache Vlotho eingeladen.
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Er berichtet von der hohen Belastung seiner Leute. Die Leistungsgrenze sei seit drei Jahren überschritten.
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Die Zahl der Aktiven ist in Vlotho, so wie im gesamten Kreis Herford, zurückgegangen.
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Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer spricht von einem Alarmsignal.
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Mit einer Kampagne, die gerade angelaufen ist, werben das Innenministerium und der Verband der Feuerwehren (VdF) um neue Mitglieder..
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Bürgermeister Rocco Wilken: „Mein allergrößter Respekt gilt der ehrenamtlichen Arbeit!“
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„Feuerwehr 2020“: Die Industrie präsentiert immer neue Produkte. Doch können gerade die freiwilligen Kräfte die immer komplizierteren Technologien überhaupt noch händeln?
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Silke Vahrson-Hildebrand, die neue Leiterin des Kreisordnungsamtes, nimmt erstmals an der Jahreshauptversammlung einer Feuerwehr teil. Sie zeigt sich von der generationsübergreifenden Beteiligung beeindruckt.
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Abschied für André Storck: Bürgermeister Wilken lobt den verdienten Feuerwehrmann als loyalen Zuarbeiter mit hoher Fachkompetenz.
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Stellv. Wehrführer Sven Detering (r) beglückwünscht Niclas Lühr, Jonas Fockel und Lukas Wandel, die soeben zu Feuerwehrmännern befördert wurden.
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Auszeichnung für Wilfried Twelsiek (l), der seit 50 Jahren der Feuerwehr Vlotho die Treue hält und dafür vom Kreisbrandmeister ausgezeichnet wird.
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Gruppenfoto der Geehrten mit Bürgermeister Rocco Wilken (r)
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Gruppenfoto der Beförderten (bis zum Hauptfeuerwehrmann)
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Gruppenfoto der Beförderten (ab Unterbrandmeister)