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Heitere und nachdenkliche Momente erlebt
Feuerwehrleute aus Vlotho auf Exkursionstour in Polen

Krakau/Vlotho. Sie gilt als das „polnische Florenz“. Ihre Altstadt besitzt eine unverwechselbare Atmosphäre und steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes: Krakau, die alte Königsstadt im Süden Polens. Feuerwehrleute der Löschgruppe Vlotho-Bonneberg haben die Meteropole an der Weichsel im Sommer 2014 besucht. Die Studienfahrt hatte mit dem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau allerdings auch ernste Momente. Stadtbrandinspektor Thomas Prüßmeier berichtet über seine Erlebnisse und Eindrücke während der Reise in das östliche Nachbarland.

Patric und Michael Wollny sind seit Jahren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Vlotho. Die Zwillinge haben ihre familiären Wurzeln allerdings in Polen. Und so entschieden die Feuerwehrleute vom Bonneberg kurzerhand, sich die Heimat der Beiden einmal gemeinsam anzusehen. Neben den Wollnybrüdern waren Kassandra Schröder, Nele Charlotte Grabowski, Manuel Besler, Jan Opitz, Uwe Ramforth und Thomas Prüßmeier mit von der Partie.


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Zwischenstopp der Reisegruppe aus Vlotho am Gerätehaus der Feuerwehr
    Krapkowice, einer Kreisstadt in Oppeln. …

Nach einiger Vorbereitung ging es am Donnerstag in aller Frühe los. Über Berlin und das brandenburgische Cottbus führte die Reiseroute Richtung Polen. Erstes Ziel war Krapkowice, eine Kreisstadt in der Region Oppeln mit rund 17.000 Einwohnern. Dort wurde das Elternhaus der Wollnys besucht. Anschließend ging es zur örtlichen Feuerwache, wo die Vlothoer ein besonderes Tanklöschfahrzeug zu sehen bekamen. Die Wehrleute der Oderstadt haben dazu in Eigenleistung einen 1.000-Liter-Container mit einem MAN-Fahrgestell verbunden. Der eigentliche Clou des Autos ist allerdings seine motorbetriebene Pumpe. Sie ist schwimmfähig, saugt das Löschmittel dadurch direkt von der Wasseroberfläche und speist so eine B-Leitung. Zum Abschied versammelte sich die Reisegruppe zu einem gemeinsamen Foto und tauschte die Ärmelabzeichen mit den polnischen Kameraden aus, so wie es unter Feuerwehrleuten Ritual ist. Nach dem planmäßigen Zwischenstopp in Krapkowice wurde die letzte Etappe in Richtung Krakau in Angriff genommen. In der Weichselstadt mit ihren 760.000 Einwohnern angekommen, bezogen die Ostwestfalen im Chopin-Hotel nahe am Stadtzentrum Quartier. Noch am gleichen Tag folgte eine erste Stippvisite in der berühmten Altstadt, die zum Weltkulturerbe zählt. Erster Anlaufpunkt war, so wie es sich für „Feuerwehrleute gehört“, das Florians-Tor. Der Bau (Höhe 34,5 Meter) wurde Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und ist das letzte erhaltene Tor der Krakauer Stadtmauer. Er beherbergt eine Statue des Heiligen Florian. Nach einem anstrengenden ersten Reisetag ließ sich die Feuerwehrabordnung aus der Heimat das Abendessen schmecken. Es gab Piroggen (gefüllte Teigtaschen), ein traditionelles polnisches Gericht.

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… Dort ist ein Tanklöschfahrzeug mit Schwimmpumpe stationiert.


Am nächsten Tag führte der Weg per Tram auf den Wawelhügel. Die Gruppe machte einen Rundgang durch die Sigismund-Kapelle und das Wawelschloss, wo einst die polnischen Könige residierten. Danach ging es mit dem Fahrrad zu den beiden schönsten Gebäuden der Krakauer Altstadt: Den mittelalterlichen Tuchhallen und der Marienkirche, einer Basilika mit zwei Türmen und beeindruckenden Kunstschätzen. Es hat schon seine Gründe, warum die Polen Krakau zur schönsten Stadt ihres Landes gewählt haben.
Das wohl schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte stand am Nachmittag auf dem Programm der Polen-Exkursion. Die Vlothoer reisten ins etwa 70 Kilometer von Krakau entfernt liegende Auschwitz - in den Ort, der zum Synonym für den Massenmord am jüdischen Volk geworden ist. Während einer privaten Führung durch das Arbeitslager Auschwitz und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erlebten die Feuerwehrleute nachdenkliche und beklemmende Momente. Der menschenverachtende NS-Terror hat in den Konzentrationslagern unvorstellbares Leid angerichtet: Juden, Roma, Kriegsgefangene und andere Bevölkerungsminderheiten wurden hier ermordet, gefoltert, für medizinische Versuche misshandelt oder starben an Erschöpfung und Unterernährung. Allein nach Auschwitz wurden mehr als 1,3 Millionen Menschen deportiert. Der gesamte Komplex - das Lager Birkenau hatte alleine eine Größe von 140 Hektar - war mit einem doppelten Elektrozaun aus Stacheldraht umzäunt, der unter einer Spannung von 6.000 Volt stand. Nur wenige Inhaftierte überlebten die Hölle von Auschwitz. Es sollen knapp 7.000 Menschen gewesen sein, die die Rote Armee im Januar 1945 befreien konnte. Eine Kameradin der Feuerwehr Vlotho wirkte geschockt: Sie konnte ihren Familiennamen auf einer Gedenktafel lesen.


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Erstes touristisches Ziel in Krakau: Das Florianstor. Es ist das letzte erhaltene Stadttor 
der Stadtmauer.

Am Samstag brach die Gruppe zum Salzbergwerk Wieliczka auf, das ebenfalls zum Weltkulturerbe und zu einer der größten Touristenattraktionen Polens zählt. Auf hölzernen Stufen stiegen die Besucher zunächst auf etwa 100 Meter hinab in die Salzmiene, wo seit dem 13. Jahrhundert Steinsalz gewonnen wurde. Von dort ging es auf verschlungenen Wegen weiter durch das Salzreich, vorbei an kleinen Seen und magisch-schönen Skulpturen, die fleißige und gläubige Bergleute vor Urzeiten aus dem Salz gemeißelt hatten. Die schönste unterirdische Salzkammer ist als Kapelle ausgestaltet. Sie besteht vom Fußboden, über die kunstvoll gestalteten Altäre, bis zu den Kronleuchtern in rund zehn Metern Höhe ebenfalls komplett aus Salz.
Am Ende der viertägigen Tour waren sich die Bonneberger Feuerwehrleute einig: Über diese Reise wird es in der ostwestfälischen Heimat viel zu erzählen geben.


  Thomas Prüßmeier, FW Vlotho
      (Infos und Fotos)







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Mitten auf dem Hauptmarkt stehen die imposanten Tuchhallen. Schon im frühen
    Mittelalter war Krakau in Europa für seinen Tuchhandel bekannt.
     (Foto: Krakow rynek 02)


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Die Marienkirche, eine römisch-katholische Basilika, gehört zu den Wahrzeichen der
    Stadt. (Foto: Jan Mehlich)


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Der Arkaden-Hof des Königsschlosses auf dem Wawelhügel. (Foto: Marku 1988)


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Einfahrtsgebäude Auschwitz-Birkenau: Das Vernichtungslager, von dem noch viele
    Bereiche als Gedenkstätte erhalten sind, wurde 1941 mit später insgesamt sechs
    Gaskammern und vier Krematorien errichtet.


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Allein nach Auschwitz deportierten die Nazis mehr als 1,3 Millionen Menschen.
    Sie    wurden mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B ermordet, für perfide
    Medizinversuche missbraucht oder starben als Zwangsarbeiter an Erschöpfung und
    Unterernährung.


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Aus der Hölle gab es kein entrinnen: Dichte Stacheldrahtzäune, die unter
     Hochspannung standen, waren nicht zu überwinden.


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Die beeindruckenden Salzskulpturen im Bergwerk Wieliczka sind Touristenattraktion.
  (Foto: Cezary Piwowarski)