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Neue Drehleiter an die Vlothoer Wehr übergeben: Hightechgerät zur Menschenrettung!

Schlüsselübergabe: (v.l.) Wehrführer Torsten Sievering, KBM Wolfgang  	Hackländer, Bürgermeister Bernd Stute u. LZ-Führer Dirk Rethmeier

In besonders heiklen Einsatzsituationen setzt die Feuerwehr Drehleitern zur Menschenrettung ein. Solche Fahrzeuge leisten aber auch wertvolle Dienste bei der Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung. Die Feuerwehr Vlotho verfügt seit kurzem über eines dieser modernen Rettungsgeräte. Hier wurde im Januar die neue Drehleiter DLK 23/12 (Leiterpark Iveco Magirus auf MAN-Fahrgestell) in Dienst gestellt. Darauf sind Stadtbrandinspektor Torsten Sievering und seine Feuerwehrmannschaft mächtig Stolz. Ein solches Hightechfahrzeug zum Schutz der Bürger anzuschaffen, hat allerdings seinen Preis: Rund 500.000 Euro investierte die Stadt Vlotho dafür. „Die Anschaffung der Drehleiter ist damit die größte Investition in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Vlotho“, sagte Torsten Sievering.

Die Fahrzeugübergabe fand gerade deshalb in einem besonderen Rahmen statt und wurde nicht beiläufig während der Jahreshauptversammlung „abgehandelt“. So stand zu Beginn der Feierstunde im Gerätehaus des Löschzugs Vlotho, Am Bullerbach ein Sektempfang auf dem Programm. Bürgermeister Bernd Stute und Wehrführer Torsten Sievering konnten so mit zahlreichen Gästen, darunter Vertreter aller Ratsfraktionen und eine Abordnung der befreundeten Feuerwehr Müsleringen (Gemeinde Stolzenau/Weser, Landkreis Nienburg, NS),   zunächst einmal auf das nicht alltägliche Ereignis anstoßen. „Uns ist es gelungen, trotz begrenzter Finanzmittel ein solches Fahrzeug zu beschaffen“, sagte der Bürgermeister im Anschluss. Der Verwaltungschef lobte besonders den Einsatz von Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer und Torsten Sievering. Gemeinsam sei man in kleiner Runde  losgefahren, um das Drehleiterprojekt zu verwirklichen. „So etwas geht eben nur, wenn man sich selber die Zeit nimmt!“, meinte Bernd Stute, dessen Leidenschaft für die Feuerwehr bei diesen Worten deutlich herauszuhören war. Schließlich habe die Feuerwehr bisher nie mehr verlangt, als wirklich gebraucht worden sei.  „Dies ist ein besonderer Tag für die Einwohner der Stadt Vlotho, stellte Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer zufrieden fest. In der heutigen Zeit greife gerade der Rettungsdienst immer häufiger auf die Drehleiter zurück, um Patienten schonend aus einem Gebäude zu transportieren. „Hier steht nun eine vernünftige, große Leiter!“

Feuerwehrchef Torsten Sievering erläuterte nachfolgend noch einige Details zum neuen Gerät. Das Fahrzeug auf einem MAN-Fahrgestell verfüge erstmals über eine Halbautomatik und werde von 290 PS angetrieben. Die Leiter mit einer Nennrettungshöhe von 23 Metern sei  mit einem großen Rettungskorb (Korbbelastung bis 270 Kilogramm) ausgerüstet. „Die Drehleiter ist für die Menschenrettung wichtig und unverzichtbar. Die guten Ausladewerte und die Varioabstützung kommen dabei den besonderen landschaftlichen Gegebenheiten in Vlotho zu Gute.“ Zwischen Bestellung und Auslieferung der Drehleiter hätten letztendlich nur zwölf Monate gelegen. Sievering führte diese ungewöhnlich kurze Zeit auf die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister, Stadtbrandinspektor und den Herstellerfirmen Iveco Magirus und MAN zurück. Deren Vertreter, Thorsten Wandel (Gebietsvertreter Iveco Magirus) und Günter Huwendiek (MAN) waren selbstverständlich bei der Fahrzeugübergabe ebenfalls vor Ort. „Aber was wäre die gute technische Ausstattung ohne das geeignete Bedienpersonal.“ Sechs Feuerwehrkameraden hätten sich vor kurzem drei Tage Urlaub genommen und seien beim Hersteller in Ulm (Baden Württemberg) in die neue Leitertechnologie eingeführt worden. Die Feuerwehr Vlotho verfüge mit Thomas Twelsiek zudem über einen eigenen Drehleiterausbilder.

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe an Dirk Rethmeier, Leiter des Löschzugs Vlotho, wurde die neue DLK 23/12 offiziell in Dienst gestellt. Zum Abschluss folgte eine praktische Vorführung des neuen Fahrzeugs. Brandinspektor Thomas Twelsiek hatte dazu auf dem Bedienstand am Drehkranz Platz genommen. Per Joystick steuerte der junge Feuerwehrmann den Leiterpark und behielt dabei den Monitor mit den Überwachungsinstrumenten immer fest im Blick. Aus 26 Metern Höhe konnte die Besatzung im Rettungskorb schließlich den Ausblick auf das nächtliche Vlotho bei minus fünf Grad „genießen“!

Das neue „Flagschiff“ der Vlothoer Wehr verfügt über zahlreiche pfiffige Detaillösungen. Dazu zählen beispielsweise die automatische Leiterauflage, schwenkbare Xenonscheinwerfer am Leiterpark und der Stromerzeuger (13 KVA), der sich dank „Fern-Start-Stopp-Automatik“ auch aus dem Korb der Drehleiter bedienen lässt. Im oberen Leiterteil ist im Übrigen ein Metallrohr verbaut, an dem ein B-Schlauch angeschlossen werden kann. Fährt die Leiter aus, wird die Leitung so mit in die Höhe gezogen. Dank Multifunktionsauflage können am Korb wahlweise Monitor, Lüfter oder Krankentrage befestigt werden. Ebenso gehören zwei Motorsägen zur Ausrüstung.

Das neue Fahrzeug ersetzt die alte Drehleiter DLK 18/12 (auf Iveco Magirus-Fahrgestell  110-16) aus dem Jahr 1990. Nach zwanzigjähriger Nutzungsdauer schreibt der Gesetzgeber eine große Überprüfung und den Einbau neuer Teile am Leiterpark vor. Dafür wären Kosten von rund 100.000 Euro entstanden. Zusätzlich hätten finanzielle Mittel für die Erneuerung des Fahrgestells aufgewendet werden müssen. Die Anschaffung einer neuen Drehleiter wurde deshalb als die wirtschaftlich vernünftigste Variante angesehen. Die alte Drehleiter (160 PS, 18 Meter Nennrettungshöhe)  hatte seiner Zeit 542.000 DM gekostet. „Das ist die bisher teuerste Errungenschaft für die Vlothoer Wehr“, titelte die Lokalpresse damals.


Text: Jens Vogelsang
Fotos: Feuerwehr Vlotho, Vogelsang

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