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„Es hätte auch schlimmer kommen können!“
Gleich zwei Chemieunfälle in Vlotho

Chemieunfälle in Vlotho

In der Produktion des Kunststoffspezialisten ASV Stübbe in Vlotho ist es innerhalb von einer Woche zu zwei schweren Zwischenfällen gekommen. Dabei wurde offenbar gefährliches Fluorwasserstoffgas freigesetzt. Mehrere Arbeiter erlitten leichte Verletzungen.

Der erste Unfall ereignet sich am 31. August. Um 10:14 Uhr kommt es an einer überhitzten Spritzgussmaschine zu einer Verpuffung. Fluorwasserstoffgas tritt aus. Schichtführer Holger Gottlebe reagiert sofort: Er drückt den Notfallknopf. Die Anlage schaltet sich automatisch ab. Rund 140 Menschen sind an diesem Mittwochvormittag in der Produktion beschäftigt. Sie verlassen umgehend ihre Arbeitsplätze und sammeln sich im Freien. Die Brandschutztore fahren herunter, sodass der Produktionsbereich abgeriegelt ist. Fünf Mitarbeiter haben sich zum Zeitpunkt der Verpuffung in unmittelbarer Nähe der Maschine aufgehalten.
Die Kreisleitstelle in Hiddenhausen-Eilshausen löst GSG-Alarm (Gefährliche Stoffe und Güter) nach Stufe 2 aus. Binnen weniger Minuten erreichen die ersten Einsatzkräfte das Firmengelände an der Hollwieser Straße. Zwei Mitarbeiter klagen über Kopfschmerzen und Husten. Sie werden umgehend vom Notarzt untersucht und anschließend vom Rettungsdienst in die Krankenhäuser nach Herford und Bad Oeynhausen gebracht. Einsatzleiter Torsten Sievering ist erleichtert, dass die beiden Männer offensichtlich nur leicht verletzt sind.
Mittlerweile  sind 141 Einsatzkräfte vor Ort. Aus Löhne sind der GSG-Zug sowie der Einsatzleitwagen (ELW 2) angerückt. Ralf Krause, Wehrführer in Löhne, leitet den Einsatz der Gefahrgutspezialisten. Wehrleute der hauptamtlichen Wache Herford führen bereits Messungen im Außenbereich durch. Dieser Einsatzabschnitt wird von Michel Stiegelmeier geleitet. Die Analysen im Gerätewagen-Messtechnik (GW-Mess) führen allerdings zu keinen auffälligen Werten. Das gefährliche Gas ist wahrscheinlich nicht nach draußen gelangt. Weitere Notärzte und Rettungswagen sowie die Schnell-Einsatz-Gruppen des DRK und der Johanniter-Unfallhilfe stehen dennoch für alle Fälle bereit.  Das Gelände um den Unglücksort wird weiträumig abgesperrt. Drei Wehrleute des GSG-Zugs rüsten sich mit Chemikalienschutzanzügen aus. Sie überprüfen die Maschine und nehmen weitere Messungen in der Halle vor. Eine erhöhte Schadstoffkonzentration ist jedoch bereits nicht mehr messbar. Einsatzleiter Torsten Sievering gibt Entwarnung.  Sicherheitshalber lüften die Einsatzkräfte den gesamten Produktionsbereich mit Spezialgeräten. „Fluorwasserstoff ist hoch giftig“, sagt Torsten Sievering. Bei Berührungen mit der Haut bestehe Lebensgefahr. Außerdem sei eine Lungenblutung möglich, die zum Tode führen könne.  
Nur wenige Tage später, am Dienstag dem 6. September, spielt sich an der gleichen Spritzgussmaschine ein identisches Szenario ab. Wiederum werden zwei Mitarbeiter durch giftige Dämpfe leicht verletzt. Auch dieses Mal entspannt sich die Situation schnell: Nach umfangreichen Lüftungsmaßnahmen kann die Produktion bereits nach wenigen Stunden wieder aufgenommen werden. Allerdings entscheidet die Geschäftsleitung diesmal, dass die Unglücksmaschine vorerst ausgeschaltet bleibt.  Sie soll zunächst von Fachleuten gründlich untersucht werden. Außerdem lobt der Prokurist des Unternehmens seine Mitarbeiter für deren umsichtiges Verhalten.  „Es hätte auch schlimmer kommen können!“
Die Firma ASV Stübbe ist sei den 50er Jahren Pionier in der Kunststoff- und Spritzgießtechnik. Sei über 40 Jahren fertigt das Unternehmen Armaturen, Pumpen und Mess- und Regeltechnik für den Rohrleitungsbau. Am Standort Vlotho sind rund 200 Mitarbeiter beschäftigt.  

Von André Storck

 Feuerwehr Vlotho


 
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